Aktives Zuhören: Das unterschätzte Führungstool für erfolgreiche Teams genauso wie für tiefe Eltern-Kind-Beziehungen
Haben Sie schon einmal von diesen rätselhaften Begriffen „Aktives Zuhören“ gehört? Sie werden sich wahrscheinlich denken: „Was für eine Frage, klar höre ich zu!“ Aber tun Sie das wirklich? So richtig? Ich erinnere mich dabei öfters daran, als ich noch in meinem Angestelltenjob war, am späten Nachmittag meine Kinder vom Kindergarten abgeholt habe und dann immer mit dem Handy daneben liegend, immer in Seh- und Hörweite, immer am Sprung – es könnte ja ein wichtiges Email oder ein ach so wichtiger Anruf kommen, auf den ich ja als pflichtbewusste und engagierte Bereichsleiterin sofort und auf der Stelle reagieren muss!
Die Reaktion meiner Tochter war dann mal: „Mama, auch wenn du da bist, du bist nicht wirklich da. Da kannst du gleich im Büro bleiben.“ … Autsch, das tat weh. Da hetzt man nach Hause, um noch Zeit mit den Kindern zu haben, und dann das.
Und, sie hatte natürlich recht! Oft geht es auch nicht um die quantitative Zeit, die wir mit Menschen – ob es der Partner, die Kinder oder die Teammitglieder sind – verbringen, sondern um die Präsenz, mit der wir in diesem Moment da sind.
Und hier kommt als ein mögliches Tool, das schon vorher erwähnte „Aktive Zuhören“, ins Spiel.
Also was ist das nun?
Mindful Leadership im Team und in der Familie beginnt mit echtem Zuhören
Aktives Zuhören ist eines der wirkungsvollsten Führungsinstrumente und obendrein noch kostenlos und jederzeit verfügbar und dennoch oft unterschätzt. Durch echtes Zuhören können Führungskräfte Konflikte frühzeitig erkennen und vermeiden, die Qualität der Zusammenarbeit verbessern und das Vertrauen innerhalb des Teams stärken. Zusätzlich trägt dieser Führungsstil enorm zur Prävention von Burnout in Teams und auch der einzelnen Teammitglieder bei.
Das klingt doch schon sehr vielversprechend und doch so einfach, oder?
Zuhören als eine effektive Präventionsmaßnahme gegen Stress und Burnout in Teams
Dauerhafter Stress in Teams entsteht häufig durch mangelnde Kommunikation, Missverständnisse und ungelöste Konflikte. Studien zeigen, dass Führungskräfte, die sich aktiv Zeit für echtes Zuhören nehmen, nicht nur die Zusammenarbeit verbessern, sondern auch gezielt Präventionsmaßnahmen gegen Burnout für sich und ihr Team ergreifen.
Das Konzept des Mindful Leadership, wie es Esther und Johannes Narbeshuber in ihren Lehrgängen, die ich auch selbst besuchen durfte und auch in ihrem Buch „Mindful Leader“ beschreiben, hebt hervor, dass achtsames Zuhören ein Schlüsselfaktor für nachhaltigen Erfolg in Unternehmen ist.
Was steckt nun wissenschaftlich hinter aktivem Zuhören in der Führung
Der Psychologe Carl Rogers erkannte bereits in den 1960er Jahren, dass wahres Zuhören mehr bedeutet als das bloße Verstehen von Worten – es geht darum, auch die Emotionen und Bedürfnisse des Gegenübers wahrzunehmen.
Auch Friedensforscher Fritz Glasl betont, dass aktives Zuhören in Teams nicht nur Konflikte frühzeitig entschärft, sondern auch die Qualität der Zusammenarbeit entscheidend verbessert. Untersuchungen zeigen, dass Führungskräfte, die sich auf ihre Gesprächspartner einlassen, als authentischer und kompetenter wahrgenommen werden – ein essenzieller Bestandteil von Mindful Leadership.
Mehr Erfolg durch echtes Zuhören
Aktives Zuhören ist mehr als eine Technik – es ist eine innere Haltung. Führungskräfte, die bewusst zuhören, sorgen für ein gesundes Arbeitsumfeld, stärken das Teamgefühl und senken das Risiko für Stress und Burnout. Durch die Integration dieses einfachen, aber wirkungsvollen Werkzeugs wird nicht nur die Produktivität gesteigert, sondern auch die emotionale Intelligenz innerhalb des Teams gefördert.
Wie kann ich also „Aktives Zuhören“ nun üben und in meinen beruflichen Alltag oder auch im Familienleben integreren?
Eine einfache, aber kraftvolle Übung, die Sie gerne mal ausprobieren könnten, ist die „Genau wie du“-Herangehensweise. Sie hilft Führungskräften und Teammitgliedern, empathischer zuzuhören und eine tiefere Verbindung zu anderen aufzubauen.
Übung#1: „Genau wie du“ für achtsames Zuhören
1. Schritt:
Setze dich in eine ruhige Umgebung und wähle eine Person, der du im Alltag oft zuhörst – sei es ein Teammitglied, Kollege oder Mitarbeiter.
2. Schritt:
Schließe die Augen und stelle dir diese Person vor. Dann sage dir innerlich:
o „Genau wie ich möchte diese Person gehört und verstanden werden.“
o „Genau wie ich erlebt diese Person Stress, Unsicherheiten und Herausforderungen.“
o „Genau wie ich möchte diese Person respektvoll und wertschätzend behandelt werden.“
3. Schritt
Öffne die Augen und nimm dir vor, beim nächsten Gespräch mit dieser Person bewusst und ohne Unterbrechung zuzuhören.
Diese Übung sensibilisiert Führungskräfte dafür, dass jeder Mensch ähnliche Grundbedürfnisse hat – verstanden zu werden, gesehen zu werden und mit Respekt behandelt zu werden. Dadurch fällt es leichter, geduldiger zuzuhören und echte Präsenz im Gespräch zu zeigen.
Ich erinnere mich immer wieder gerne daran, als meine Tochter in der 3. Klasse Volksschule meinte, einer ihrer Klassenkollegen ist besonders laut und nervig und sie hält das fast nicht aus. Im gleichen Moment meinte sie dann, „Mama, ich frag ihn mal morgen, was mit ihm los ist, er war ja früher nicht so.“ Und siehe da, er hat erfahren, dass sich seine Eltern treffen und er total verzweifelt war. Zuhause, als ältester von 3 Brüdern hatte er da nicht so viel Raum dazu – auch aus Elternsicht total nachvollziehbar, da passiert viel! Aber alleine dadurch, dass ihm in der Klasse jemand zugehört hat, hat schon vieles für ihn und damit auch für die Klassendynamik erleichtert.
Übung #2: Eine Minute Stille vor Meetings: Ein einfacher Weg zu mehr Produktivität
Das ist eine Übung, die im Geschäftsleben anfangs oft belächelt wird, für mich aber so einen Unterschied gemacht hat, daher möchte ich sie gerne hier mit Ihnen teilen.
Wir kennen das alle, Hektik, geprägt von aufeinanderfolgenden Meetings – sei es online oder in Präsenz – das eine noch nicht abgeschlossen, dann schon ins nächste Meeting hecheln. Energieraubend und mühsam, aber so ist es halt, oder?
Eine Minute der Stille vor Beginn eines Treffens mag zunächst als Zeitverschwendung erscheinen. Doch Studien und Praxisberichte zeigen, dass diese kurze Phase die Qualität und Effizienz von Besprechungen erheblich steigert.
Laut einer Untersuchung werden nur 44 % der Meeting-Zeit produktiv genutzt, wobei Sitzungen durchschnittlich 49 Minuten dauern. Effiziente Meetings hingegen benötigen oft nur 22 Minuten.
Durch die Integration einer einminütigen Stille können Teilnehmer ihre Gedanken sammeln, den Fokus schärfen und somit die Effektivität des Meetings erhöhen.
Esther und Johannes Narbeshuber betonen in ihrem Buch „Mindful Leader“ die Bedeutung solcher achtsamen Praktiken im Führungsalltag. Sie bieten praktische Tipps für achtsame Kommunikation und Meetings, die auf neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Es lohnt sich wirklich, hier mal reinzuschnuppern. Oft ist es so einfach und dennoch so hilfreich!
Die Implementierung einer einminütigen Stille vor Meetings fördert nicht nur die Konzentration, sondern auch eine Kultur der Achtsamkeit im Unternehmen. Diese einfache Praxis kann dazu beitragen, die Produktivität zu steigern und die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu erhöhen. Ist doch einen Versuch wert, oder?
Übung #3: „1-Minute-Stille vor Gesprächen“
Falls du noch eine praxisnähere Übung möchtest, könnte eine „1-Minute-Stille vor Gesprächen“-Routine hilfreich sein: Vor jedem Meeting nimmt sich die Führungskraft eine Minute Stille, um sich bewusst auf das Zuhören und auf das, wie sie das Gespräch oder das Meeting führen wollen, einzustimmen. Dadurch entstehen ein klarer Fokus und das Ergebnis wird wesentlich effizienter und somit produktiver.
Also, wenn es Ihnen in einem Meetingkontext noch zu unheimlich oder komisch vorkommt, das für sich mal alleine auszuprobieren kann vielleicht mal ein erster Schritt sein. Und dann, wenn es sich gut etabliert hat oder auch für Sie stimmig ist, können Sie ja den Tipp auch weitergeben.
Viel Erfolg beim Ausprobieren!
Gerne erzähle ich Ihnen mehr über die spannenden Wirkungsweisen und Ansätze für eine gute Teamentwicklung auch in herausfordernden Zeiten – für Sie persönlich oder für Ihr Team. Kontaktieren Sie mich gerne für ein unverbindliches Kennenlernen!